Antrag zur Thematik Steingärten

24. Mai 2019

Antrag zur Thematik Klimawandel / Steingärten / Insekten / Blühflächen gegen den
Artenschwund in der Kulturlandschaft

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Haarmann,

die CDU-Fraktion beantragt, die hier angesprochene Thematik bereits auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses (25.06.2019) zu setzen.

Die zunehmend zu beobachtende Versiegelung von Vorgärten kann und darf uns aus (Stadt‑) Klimagesichtspunkten und vor dem Hintergrund der sich offensichtlich mit immensem Tempo reduzierenden Artenvielfalt nicht gleichgültig sein. Diese Feststellung gilt dem Grunde nach auch für eigene städtische Grünflächen, deren Betonierung / Versiegelung in der Vergangenheit aus heutiger Sicht durchaus kritisch beurteilt werden kann und für die Zukunft überdacht werden sollte. Die Betrachtung der v.g. Thematik kann sich nicht nur auf die Bürgerinnen und Bürger als Eigentümer beschränken, sondern muss auch die „öffentliche Hand“ in die Pflicht nehmen – dort wo es möglich und sinnvoll ist.

Immer mehr Vorgärten werden zu vermeintlich pflegeleichten „Schotterflächen“ umgestaltet. Eine Zunahme kann auch im Stadtgebiet Voerde festgestellt werden. Häufig entstehen hierbei triste Flächen, die mit Vorgärten wenig gemeinsam haben. Ein geschmackvoll gestalteter Vorgarten mit Blumen und Sträuchern wertet die Optik der Immobilie erheblich auf und bietet Bienen und anderen Insekten einen wichtigen Lebensraum. Die Pflanzen nehmen CO2 auf und wandeln es durch Photosynthese in Sauerstoff um, der für Mensch und Tier wichtig ist. Zusätzlich wird ein positiver Beitrag zum (Stadt-) Klima geleistet.

Neueste Studien belegen zudem, dass die Artenvielfalt in einem rasanten Tempo abnimmt; das Bienensterben wird bundesweit diskutiert. Es stellt sich die Frage, wie wir Bepflanzungen befördern können, die die Artenvielfalt begünstigen bzw. erhalten, ihr jedoch nicht entgegenwirken.

 

Auf der Seite der Eigentümer steht immer mehr der Aspekt der „Pflegeleichtigkeit“ des Vorgartens im Fokus. Statt Vorgartenflächen jedoch mit den bekannt negativen Folgen zu „schottern“ oder zu pflastern, steht eine Vielzahl bodendeckender Pflanzen und Kleinsträucher zur Verfügung, die zudem den Wildkrautwuchs in den Beetflächen hemmen und somit helfen, den Pflegeaufwand in Grenzen zu halten. Weiterhin können verschiedene Substrate eingesetzt werden, um den Wildwuchs einzudämmen. Angesichts ansteigender Starkregenereignisse sollte nicht vergessen werden, dass Beetflächen auch Wasser aufnehmen und wichtige Versickerungsflächen darstellen, die eine Starkregen-Einleitung in die städtische Kanalisation zumindest reduzieren.

In vielen Städten werden bereits Rufe nach „Regelungen“ lauter, die Umweltverbände warnen bereits seit längerem vor der zunehmenden Versiegelung von Vorgärten und Grünflächen und deren Folgen für Mensch, Umwelt und Lebensqualität.

Wir sind der Auffassung, dass sich auch eine Stadt der Größenordnung und geographischen Struktur Voerdes Gedanken machen muss, wie städtische Konzepte für einen verbesserten Klimaschutz und gleichzeitiger Steigerung der Lebensqualität vor Ort aussehen könnten? Wie bringen wir die berechtigten Interessen der Eigentümer nach mehr „Pflegeleichtigkeit“ und die Ansprüche an Klimaschutz und Artenvielfalt zusammen?

Hierzu erwarten wir von der Verwaltung nicht nur Konzepte, sondern auch die Beachtung der Problematiken bereits im Planungs- und Umsetzungsprozess, so dass spätere „Reparaturen“ schon im Ansatz verhindert werden.

Die CDU-Fraktion möchte die angesprochene Thematik ausdrücklich nicht im Sinne zunehmender Ge- und Verbote verstanden wissen, sondern im Sinne von informieren, aufklären über naturnahe Grüngestaltungen und Pflegemöglichkeiten, Anlaufstellen, Ausschreibung kleinerer Wettbewerbe („Der schönste Vorgarten“ oder „Die artenreichste Flachdach(garagen)-Begrünung“), (finanzielle) Anreize setzen, um eingefahrenes Handeln zu ändern.

Das Ziel muss darin bestehen, Eigentümer und zukünftige Bauherren im Gebiet der Stadt Voerde davon zu überzeugen, ihre Vorgärten / Grünflächen nicht zu versiegeln, sondern stattdessen (pflegeleichten) Bepflanzungen den Vorzug zu geben, die die klimatischen Anforderungen der Zukunft aus heutiger Sicht gut bewältigen können. Dies möchten wir bereits für die in nächster Zeit beabsichtigten Baumaßnahmen an mehreren Stellen in der Stadt Voerde berücksichtigt wissen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

– Fraktionsvorsitzender –