Wahlaufruf – geht wählen!

24. Mai 2019

Ist es Effekthascherei oder eine unschickliche Dramatisierung, wenn man bei der bevorstehenden Europawahl – „mal wieder” werden viele sagen – von einer Schicksalswahl spricht? Könnten 500 Millionen Europäer am 26. Mai 2019 von einem Wahlergebnis und seinen Konsequenzen überrascht werden, das sie so gar nicht haben wollten? Was könnte passieren, wenn sich an diesem Tag die Populisten oder Extremisten durchsetzen?

Als die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) 1957 aus der Taufe gehoben wurde, hatten alle den Zweiten Weltkrieg noch erlebt, die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten, die 80 Millionen Menschen das Leben kostete und Europa in Schutt und Asche legte. Das sollte sich durch eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit nie wiederholen. Dieser Plan ist aufgegangen.
Frieden – seit 74 Jahren. Was Krieg wirklich bedeutet, können sich die jüngeren Generationen daher nicht mehr vorstellen. Lire, Peseten, Gulden oder Franc – manche kennen sie noch. Schlangen an den Grenzübergängen, Zollkontrollen erwecken unschöne Erinnerungen. Aus der wirtschaftlichen Zusammenarbeit ist in den vergangenen Jahrzehnten -bei allem Auf und Ab- ein Miteinander auf vielen Ebenen und in vielen Bereichen geworden.

Jede und jeder mache sich bewusst: In einer international zunehmend enger zusammenrückenden und wirtschaftlich wie technologisch immer vernetzteren Welt findet ein europäischer Nationalstaat allein kein Gehör mehr, geschweige denn hat wirklichen Einfluss. China, Indien, Indonesien, die USA oder Russland geben einen Takt vor, der häufig nicht mehr europäisch ist, ja Europa sogar stark unter Druck setzt. Deshalb – erst der europäische Zusammenhalt kann Europa im
Mächte-Vieleck dieser Weltkugel das notwendige Gewicht und die notwendige Durchsetzungskraft verschaffen, um die Interessen seiner Bürgerinnen und Bürger auch tatsächlich durchsetzen zu können. Daran sollte jeder bei seiner Stimmabgabe denken.

Deshalb gilt mein Appell allen Bürgerinnen und Bürgern – gehen Sie wählen! Diesen Aufruf richte ich besonders an die Jung- und Erst-Wähler: Auf Euch kommt es an! Das Europa der nächsten Jahrzehnte ist vor allem Eure Zukunft und Euer Europa. Was mit Wahlergebnissen und Mehrheiten passieren kann, wenn viele Jungwähler nicht zur Wahl gehen und mitbestimmen, das kann man in Großbritannien derzeit bestens beobachten. Die älteren Generationen bestimmten dort maßgeblich das Ergebnis des ersten Referendums.

Gebt bei der Wahl den Extremisten und Populisten keine Chance. Europa und unsere Zukunft sollte uns das wert sein. Macht Euer Kreuzchen bei Parteien der Mitte. Bei Parteien, die mit all’ ihren Fehlern im politischen Alltag, aber dennoch an Europa mit Frieden und Wohlstand für unsere Kinder und Kindeskinder glauben.

Frank Steenmanns

Vorsitzender der Christlich Demokratischen Union in Voerde